DFL-Taskforce beendet, der Kampf für Reformen geht weiter

Heute wurde der Abschlussbericht der DFL-Taskforce “Zukunft Profifußball” der Öffentlichkeit vorgestellt. Verteilt über vier Monate und vier Sitzungen haben sich 37 Expert*innen zu sieben Fragestellungen aus dem DFL-Präsidium beraten. Wir – die sechs Vertreter*innen aus Fankreisen – ziehen im Folgenden eine erste Bilanz. Eine umfassende Betrachtung wird in den kommenden Tagen in Form einer Stellungnahme erfolgen. 

Wichtige Impulse und vertane Chancen

Der Abschlussbericht ist im klassischen Duktus des Profifußballs geschrieben: Eigentlich ist doch alles gut, das Gute kann noch besser gemacht werden. Diese Haltung wurde auch bei der Pressekonferenz deutlich. Dass wir diese Einschätzung nicht teilen, ist offensichtlich. Wir sehen tiefgreifenden Handlungsbedarf und können bei Weitem nicht attestieren, dass es ausreicht, lediglich den Status Quo zu verbessern. Wir haben intensiv dafür geworben, bereits sprachlich eine kritischere Perspektive einzunehmen – dies ist uns nicht gelungen. Im Frühjahr seitens der DFL noch häufig bemühte Begriffe wie Demut haben sich mittlerweile nicht nur aus dem Handeln der Verantwortlichen, sondern auch aus deren Sprachgebrauch wieder vollständig verabschiedet.

Im Abschlussbericht fehlen wichtige Konkretisierungen, die intensiv diskutiert wurden, im Bericht jedoch ausgelassen worden sind. Dies betrifft vor allem Maßnahmen zur Integrität des Wettbewerbs, d. h. den wirtschaftlichen (Kern-)Bereich des Fußballs: Während in den Diskussionen wiederkehrend Lösungsansätze eines nationalen Financial Fairplays oder einer Übermaßabgabe im Sinne einer Luxussteuer genannt wurden, Mehrfachinvestitionen problematisiert und die TV-Geld Verteilung thematisiert wurden, fehlt dies im von der DFL vorgelegten Abschlussbericht. Die Auslassungen verdeutlichen den Widerstand, zu den Wurzeln und Kernproblemen im Fußball durchzudringen. Stattdessen wird eine weitere Vermarktung des Fußballs als wesentlich propagiert, der weitere Ausverkauf des Fußballs positiv gerahmt und bei dringend notwendigen Reformen auf die europäische Ebene verwiesen. Darüber hinaus vermissen wir die Betonung der Rechtsform von Fußballvereinen als eingetragenen Vereinen und der damit einhergehenden 50+1-Regel als Grundlage für demokratische Prozesse, Mitbestimmung und die gesellschaftliche Verankerung des Fußballs.

Gleichwohl finden wir im Abschlussbericht Handlungsempfehlungen wieder, die sich mit den erarbeiteten Positionen vieler Fans decken: Denn auch aus Sicht der Taskforce-Mitglieder bedarf es einer deutlichen Verbesserung der Dialogstrukturen mit Fans auf lokaler und bundesweiter Ebene (DFL-Kommission Fans & Fankulturen, Gütekriterien Club-Fan-Dialog). Nachhaltigkeit muss im deutschen Fußball auf allen Ebenen verbindlich Einzug halten (ESG-Kriterien). Ein inklusiver Fußball ist das Ziel. Dafür müssen Diversitäts-Strategien entwickelt und umgesetzt werden. Die Implementierung eines umfassenden Menschenrechtskonzepts wird langfristig zu erheblichen Verbesserungen – besonders bezüglich fragwürdiger Kooperationsverhältnisse – führen. Der Fußball ist aufgefordert, in allen Bereichen verantwortungsvoller, transparenter, sozialer und nachhaltiger zu handeln. Aufgeworfen wurde auch die Frage, wie die DFL den Frauenfußball fördern soll. Hier wurde klar formuliert, dass der Frauenfußballl unterstützt werden soll, jedoch ohne ihn zu vereinnahmen. 

Lob für die Diskussionen, Kritik an Prozess und Ergebnispräsentation

Wie bereits mehrfach öffentlich betont, wollen wir die Diskussionskultur, die konstruktive Auseinandersetzung und den Mehrwert der Diskussionsprozesse zwischen den Taskforce-Mitgliedern besonders positiv hervorheben: Wir haben die Diskussionen durchweg als fruchtbar empfunden. Es war erstaunlich, wie viele Übereinstimmungen es trotz der unterschiedlichen Interessenlagen gab und wie umfassend wesentliche Bereiche im Fußball in so kurzer Zeit beleuchtet wurden. Umso bedauerlicher, dass sich dies nicht in der öffentlichen Präsentation wiederfindet. 

Bereits während des Prozesses haben wir z. T. erhebliche Kritik an der Engführung der Diskussionen durch die vorab vorgegebenen Fragestellungen sowie an der Dokumentation der Diskussionen geübt. Diese Kritik wurde zwar aufgenommen, hat jedoch nicht zu einer veränderten Vorgehensweise geführt. Dies zeigt sich nun auch im Abschlusspapier, das insbesondere im Abgleich mit den Protokollen ein gefiltertes Ergebnis der Diskussionen präsentiert.

DFL-Taskforce: Weder der Anfang, noch das Ende

Für uns war und ist die DFL-Taskforce ein Zwischenschritt auf dem langwierigen Weg zu Reformen im Fußball. Im Frühjahr und im Sommer 2020 haben etliche Fanorganisationen und -initiativen verdeutlicht, dass der Fußball dringend Veränderungen braucht. Der Erklärung von Unser Fußball haben sich eine halbe Million Menschen angeschlossen. Die Faninitiative Zukunft Profifußball (ZPF) hat anschließend Konzepte für Reformen im Fußball ausgearbeitet. Wir werden die angekündigte Umsetzung der Handlungsempfehlungen aus der Taskforce kritisch begleiten, die Empfehlungen aus den ZPF-Konzeptpapieren vorantreiben und auch in Zukunft alle Finger, die wir haben, in die Wunde legen. 

Doch letztlich liegt es nicht an uns, Reformen im Fußball umzusetzen. Die Macht für Veränderungen liegt bei den handelnden und in Verantwortung stehenden Personen, sie liegt bei den Vereinen. Seit nun fast einem Jahr wurden vielfältige, kluge und durchdachte Vorschläge von verschiedenen Seiten unterbreitet, wie der Fußball sich weiterentwickeln kann, sollte und muss. 

Wir appellieren an alle Vereine: Ergreift endlich die Chance, gemeinsam die Zukunft des Fußballs zu gestalten! Pickt euch nicht nur die Themen heraus, die euch in der Umsetzung leicht fallen oder sowieso schon auf eurer Agenda standen! Wir brauchen weitreichende Reformen, auch und vor allem im wirtschaftlichen Bereich, um den Profifußball in Deutschland zukunftsfähig aufzustellen. Beginnt endlich, heute für morgen zu handeln! 

Helen Breit, Manuel Gaber, Anna-Maria Hass, Dario Minden, Christian Schmidt und Ramona Steding am 03.02.2021.